Seit
Mitte 2011 ist Berlin um eine Attraktion reicher, nämlich
die neue Humboldt-Box in Berlin Mitte. Bei der Humboldt-Box handelt
es sich um einen 30 Meter hohen (asymmetrischen) Klotz, der direkt
am Bauplatz zum Berliner Schloss als Info-Pavillon aufgestellt
wurde. Auf insgesamt 2200 Quadratmetern (die sich auf vier Etagen
verteilen) soll über den Wiederaufbau des Berliner Schlosses
sowie das Humboldt-Forum informiert werden. Die Baukosten dieser
Fragwürdigkeit belaufen sich auf rund fünf Millionen
Euro; das Gebäude soll 2019 wieder abgerissen werden.
Wer braucht diese Box und warum dürfen einige wenige Entscheidungsträger
dafür verantwortlich sein, dass die ganze Welt sich beim
Anblick dieser Mülltonne, inmitten der historischen Meile
Berlins, einfach nur schlecht fühlen? Derartige Fragen
stellen sich viele Menschen, doch die Stadtoberen haben eine
plausible Antwort:
Vorbild
sei unter anderem die rote Info-Box am Potsdamer Platz, eine
rote Kiste, die auf acht Meter hohen Stelzen stand und in der
Zeit von 1995 bis 2001 rund neun Millionen Besucher anlockte.
In dieser Box konnten sich die Besucher über die Bauentwicklung
am Potsdamer Platz informieren; die Box entwickelte sich zu
einer Sehenswürdigkeit die in keiner Touristenrundreise
fehlen durfte.
Ein ähnlicher Grundgedanke bewegte Berlin dazu, die Humboldt-Box
auf den Weg zu bringen ohne allerdings vorgegeben zu haben,
wie die Box auszusehen hat. Bei der gewöhnungsbedürftigen
Architektur hat der Berliner Baustadtrat dann nicht nur beide
Augen sondern auch die berühmten Hühneraugen zugedrückt;
der Grund: Die Humboldt-Box sollte durch einen privaten Investor
finanziert werden. Es hat also kein architektonisches Meisterwerk
den Zuschlag bekommen, sondern der Investor mit dem besten finanziellen
Konzept.
"Die Box wirkt in der Tat wahnsinnig dominant", meinte
auch der zuständige Baustadtrat Emphraim Gothe gegenüber
der Berliner
Morgenpost, aber dies sei ja auch so gewollt gewesen. Schließlich
sei diese Info-Box dem bedeutesten Kulturbauvorhabens Deutschland
nach der deutschen Wiedervereinigung gewidmet.
Mit
der Box soll aber nicht nur informiert werden, die Stadt möchte
auch Spenden zum Wiederaufbau der historischen Schlossfassade
sowie der barocken Ausgestaltung der Schlosskuppel einsammeln.
Die Nutzer des Gebäudes werden der Förderverein Wiederaufbau
Schloss e.V., die Staatlichen Museen zu Berlin - die Stiftung
Preußischer Kulturbesitz, die Humboldt-Universität
und die "Zentral- und Landesbibliothek Berlin" sein.
Der Investor Megaposter möchte das Gebäude über
Einnahmen aus Großplakatwerbung an den Bauzäunen
sowie über Pachteinnahmen für ein Terrassen Café
und ein Restaurant finanzieren. Nach Aufbau des Schlosses und
nach Ablauf des Nutzungsvertrages (2018), soll die Info-Box
wieder abgerissen werden. Der Beginn der Bauarbeiten für
das Schloss wurden allerdings um zwei Jahre auf das Jahr 2013
verschoben; es kann also sein, dass die Humboldt-Box den Berlinern
noch länger erhalten bleibt. Der Firma Megaposter soll
es recht sein: "Die Box ist solide gebaut", meinte
Gerd Henrich, Chef von Megaposter schon beim Richtfest. Somit
sei es egal, ob das Gebäude nun fünf oder fünfzehn
Jahre stehen bleibt.
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